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DeepPsy

„Depression ist eine Volkskrankheit.“

 

Evidenzbasierte Diagnostik von psychischen Erkrankungen: Sebastian Olbrich von der Uniklinik Zürich arbeitet an einer Deeplearning-Plattform für Psychiater und Psychotherapeuten.

 

Sie sind ein erfahrender Psychiater Ende 30. Haben Sie bisher alles falsch gemacht, Herr Olbrich?

Würde ich nicht so sagen. Aber etwas hat mir immer zu denken gegeben: In der Psychiatrie hängt die Wahl einer Therapieart hauptsächlich vom persönlichen Hintergrund des behandelnden Arztes ab ‒ und nicht von dem, was man über den einzelnen Patienten in Erfahrung bringen kann.

Wie wollen Sie das ändern?

Es gibt immer mehr wissenschaftliche Hinweise darauf, dass bestimmte Krankheitsbilder mit typischen Hirnaktivitäten korrelieren. Wenn das so ist, sollte es möglich sein, vom Enzephalogramm (EEG) auf bestimmte Ausprägungen einer Krankheit und von da auf die optimale Therapieform zu schliessen. Was bisher gefehlt hat, ist eine systematische Auswertung der Patienten-EEGs und der Abgleich mit dem Erfolg der gewählten Therapie. Diese Lücke wollen wir mit unseren Deep-Learning-Algorithmen schliessen. Es wäre ein Schritt auf dem Weg zu einer auf Biomarkern basierten psychiatrischen Diagnostik.

Wo genau auf diesem Weg stehen Sie zurzeit?

Die Algorithmen liegen vor, die Funktionalitäten der Plattform sind definiert. Ab Herbst haben Kliniken. Ärzte und Patienten die Möglichkeit, EEGs hochzuladen; wobei wir uns zunächst auf die Erscheinungsformen der Depression beschränken.

Warum ausgerechnet Depressionen?

Weil sie von allen psychischen Krankheiten am weitesten verbreitet sind. Bei uns in Westeuropa leiden rund 10 Prozent der Bevölkerung an depressiven Störungen. Allein die wirtschaftlichen Kosten infolge von Arbeitsausfällen sind enorm.

 

Kurs
Sebastian Olbrich hat am Business Concept Kurs im Herbst 2019 teilgenommen.