Software-Entwicklung im Startup: Inhouse oder Offshore?

August 31, 2016   

Ein Gastbeitrag von Christian Herter – xtendum GmbH

 

CHF 15 all inclusive! Als Geschäftsführer eines frisch gegründeten Startups beginnst du beim Lesen der Offshore-Stundensätze von Software-Entwicklern zu träumen. Aber nicht in jeder Situation macht es Sinn, Software-Entwicklung auszulagern. Prüfe, was für deine Situation passt und wage erste Versuche. Es mag auf den ersten Blick paradox klingen: Ich bin überzeugt davon, dass nur wenige Schweizer Unternehmen Ihre Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten können, ohne sich internationale Ergänzung ins Haus zu holen. Wann lohnt sich die Offshore-Zusammenarbeit? Welche Arbeit kann nur Inhouse gemacht werden, welche ausgelagert werden?

Bei Software, die einen nicht-kritischen Teil deines Produktes ausmacht oder deren Anforderungen genau und einfach definiert sind (z.B. Portierung einer bestehenden App auf eine weitere Plattform) kannst du meist guten Gewissens die Arbeiten an einen der vielen kostengünstigen Anbieter auslagern. Was tun, wenn die Software jedoch für dein Produkt zentral ist, du aber aus Kapazitätsgründen, finanziellem Druck oder grundsätzlich wegen deiner internationalen Ausrichtung auf ausländisches Know-how zugreifen möchtest? Was musst du bei der Auswahl und in der Zusammenarbeit mit einem Offshore-Anbieter beachten, damit die Partnerschaft zum Erfolg führt? Hier ein paar Empfehlungen:


Dein Produktewissen ist dein Firmenkapital, die Umsetzung davon ist es nicht (unbedingt).
Achte darauf, dass du Product-Owner bleibst, auch wenn du die Umsetzung ganz oder teilweise an Partner abgibst. Du bleibst verantwortlich für den wirtschaftlichen Erfolg und du definierst den Umfang und die Eigenschaften des Produkts.


Verschaffe dir Rollenklarheit.
Welches Know-how muss Inhouse angesiedelt sein? Welche Aufgaben willst und kannst du Inhouse wahrnehmen (z.B. IT-Projektleitung, SW-Architektur, Testing, Design)? Welche Aufgabenerfüllung erwartest du vom Offshore-Mitarbeiter? Kann ein Offshore-Mitarbeiter in Ergänzung zu deinem lokalen Entwickler-Team arbeiten? Welche Aufgaben müssen nah beim Kunden und in dessen Kultur geplant und umgesetzt werden (z.B. User Experience, Grafisches Design)?


Sei neugierig gegenüber dem persönlichen Leben und der Kultur des ausländischen Mitarbeiters!
Insbesondere in warmen Kulturen erreichst du viel, wenn du Persönliches von dir Preis gibst und keine falsche Scheu vor Fragen hast (sei es über das Leben im Alltag, über Religion oder das Wetter). Ist die Beziehung zu den ausländischen Mitarbeitern gut, gehen sie für dich auch die Extrameile.


Sprich und verstehe Englisch.
Mit Ausnahme des Akzents bleibt das Englisch-Niveau meist einfach. Für die Koordination ist kein hochstehendes Englisch erforderlich. Und falls doch Missverständnisse entstehen, dann bereinige sie (allenfalls mit tatkräftiger Mithilfe durch den Anbieter) und suche einen Weg, darüber lachen zu können.


Unterhalte dich mit Anbietern von Offshore-Dienstleistungen persönlich.
Wie kannst du einen Mitarbeiter in Fernost verstehen, wenn du schon seine Vorgesetzten oder Verkäufer nicht verstehst? Versteht der Anbieter dich und deine Bedürfnisse? Praktisch immer befinden sich die Anbieter in Ländern, deren Entwicklungsstand und Sicherheitslage nicht mit Schweizer Verhältnissen zu vergleichen sind. Darum brauchst du einen Anbieter, dem du vertraust und der dich ehrlich informiert. Nur dann kannst du auch rechtzeitig auf sich ändernde Voraussetzungen reagieren.

In diesem Sinn: „Träumst du noch oder entwickelst du bereits international?“

 

 

Über den Autor
Christian Herter hat einen Master in Computer Science und ist Managing Director von xtendum GmbH (Schweiz) und xtendum pvt. ltd. (Pakistan). Seit drei Jahren lebt er mit seiner Familie in Pakistan und kennt die Möglichkeiten und Grenzen von Offshore-Entwicklung aus eigener Erfahrung. Als langjähriger IT-Projektleiter und stellvertretender Geschäftsführer eines Schweizer KMUs sind ihm die Bedürfnisse Schweizer Unternehmer vertraut.

www.programmierer-fuer-startup.ch

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